Klaus Rudolf Schell

Klaus Rudolf Schell



Geboren am 15.09.1945 in Rostock. Aufgewachsen in Barth (Ostsee) und ab 1954 in Essen. Studierte in Heidelberg, Zürich und Bochum Germanistik und Slavistik. Arbeitete als wissenschaftlicher bzw. pädagogischer Mitarbeiter in Volkshochschule und Universität und ist seit 1977 Lehrer für Deutsch und Russisch in Schwerte.

Wasser in der hohlen Hand

Wasser in der hohlen Hand
Verlag Neues Literaturkontor
1997

ISBN-10: 3920591488
ISBN-13: 978-3920591483

 

 

Klaus Rudolf Schell, bislang hervorgetreten durch Lyrikübersetzungen aus dem Russischen und Jiddischen, legt 70 Gedichte vor, zusammengefaßt in drei Kapiteln: »Wir Windhunde der Wildheit«, »Wasser in der hohlen Hand«, »Im Schnee«. Schells Lyrik wird eingerahmt durch Helga Höhnes Graphiken.

Helga Höhne, Designerin und Kunstpädagogin, beschäftigt sich mit Träumen, Märchen und Symbolen und verwendet auf der Grundlage photographischer Laborarbeiten unterschiedliche Materialien und Verfahren, die durch Schichtungen miteinander verknüpft oder kontrastiert werden.

Pressestimmen:

»Schells Gedichte erzählen mitunter kleine Geschichten von feiner Dramaturgie, die man sich indessen Wort für Wort erschließen muß« (Ruhr-Nachrichten)

»Schells Gedichte bringen einen eigenen Ton in die deutsche Gegenwartslyrik. Sie gehören zu den interessantesten Neuerscheinungen« (Berliner Morgenpost)

»Der französische Dichter Philippe Jaccottet ist Schells Lehrmeister in (seinen) Bescheidenheitsformeln. So wenig wie (Schell) Jaccottet nachahmt, so wenig ahmt er seine anderen Lehrmeister nach, die Mystiker. 'Da ist gar kein Geheimnis / sagte der Mystiker / wir kochen auch bloß mit Wasser / in der hohlen Hand'« (Jürgen Israel in Die Zeichen der Zeit)

*

BIS ICH DIE SACHEN
die zu der Jahreszeit passen
raus geholt hab,
ist sie schon fast wieder um.

*

OB MEINE ENTSCHEIDUNGEN
heranreifen oder ich sie
vor mir herschiebe
macht keinen Unterschied.
Beides scheint nur so.

Tatsächlich geschieht allerlei
Und ich habe nichts dagegen.

*

ZEITREISE
Wenn ich nur lächle
dann, in der Gruft
getrocknet und gereift –
bis dahin kommen…

Wir mit den verschiedensten
eingefallenen markanten
Gesichtszügen wurden alle einmal geliebt
oder zumindest mit Interesse
betrachtet.
Auch jetzt wieder.

*

DAS AUFRÄUMEN
ist ein Traum für die lange Bank.
Immer liegt was drauf.
Liegen lassen.
Bei Gelegenheit
kommt Gelassenheit.

*

KANN ICH SO, AKKUMULATIV
meine Existenz verfeinern
lediglich spazierengehend
ab und an, und
meinen Schritt beobachtend?
Ja, herbeibetend
Jene Fußgängigkeit
Die Stille werden läßt
Durch das Land und über die Felder.

*

aus "Wasser in der hohlen Hand" von Klaus Rudolf Schell