Heinrich Peuckmann | Lesebuch Willy Kramp

Heinrich Peuckmann
Lesebuch Willy Kramp
Nylands Kleine Westfälische Reihe

Aisthesis Verlag
2015

Ein Lesebuch mit Texten des Dichters Willy Kramp, mit dem er bis zu dessen Tod im Jahre 1986 befreundet war, hat Heinrich Peuckmann nun zusammengestellt und in der Reihe „Nylands Kleine Westfälische Bibliothek“ veröffentlicht.
Willy Kramp hat in Schwerte-Villigst gelebt, dort war er auch Studienleiter der evangelischen Akademie gewesen, bis er sich Ende der Fünfziger Jahre entschloss, als freier Schriftsteller zu leben. Er gehört zu den Begründern des evangelischen Kirchentages und vor allem war er zu seiner Zeit ein bekannter Autor. Sein wichtigstes Buch ist der Romanbericht „Brüder und Knechte“, in dem er über den christlichen Widerstand gegen Hitler berichtet. Kramp war Offizier im Zweiten Weltkrieg und kam so mit diesem Widerstand, der übrigens klarere demokratische Vorstellungen für die Zeit nach Hitler hatte als die Gruppe um Stauffenberg, in Berührung. Sein Kompaniechef Hößlin rettete ihm das Leben, indem er nach dem gescheiterten Putsch alle Dokumente vernichtete, auf denen Kramps Name auftauchte und schickte ihn an die Ostfront, während er selber entlarvt und kurz danach hingerichtet wurde. Dieses berührende Dokument, das es nach der Veröffentlichung wochenlang in die Bestsellerliste des „Spiegel“ brachte, steht denn auch in längeren Auszügen am Anfang des Lesebuches. Daneben hat Peuckmann aber auch Romanauszüge, Erzählungen und Gedichte herausgesucht, darunter einen Auszug aus dem Roman „Das Lamm“, der im Ruhrgebiet kurz nach dem Krieg spielt und der von niemand geringerem als Wolfgang Staudte verfilmt wurde. Ein kleiner Junge zieht ein Lamm groß, das seine Eltern aber aus materieller Not schlachten wollen, was der Junge nicht erträgt. Deshalb flieht er mit dem Tier, kommt dabei weit durchs Ruhrgebiet und hat die unterschiedlichsten Begegnungen.
Ergänzt werden die Texte im Lesebuch durch Fotos und einen Brief von Kramp an Peuckmann. Am Ende des Buches steht ein längeres Nachwort von Peuckmann, in dem er die literarische Bedeutung Kramps herausarbeitet, aber auch die Person des Dichters durch die Schilderung persönlicher Begegnungen lebendig werden lässt.
„Willy Kramp verdient es, wieder Beachtung zu finden“, meint Peuckmann. „Er kann sehr gut erzählen, seine Themen, darunter die Geschichte eines Deserteurs, der aus dem Krieg flieht und sich jahrzehntelang im Wald versteckt, haben gerade in diesen Zeiten von Kriegen und Flüchtlingen wieder Bedeutung.“