Monika Littau | Vom Sehen und Sagen. Die Buchela.

Monika Littau
Vom Sehen und Sagen.
Die Buchela.

Biografieroman
Universitätsverlag Brockmeyer

Alles, was Buchela sich wünscht und liebt, scheint ihr verloren zu gehen: Der Lieblingsbruder bei einem Unfall, der Vater im 1. Weltkrieg, das ersehnte Kind stirbt bei der Geburt, und während des Nationalsozialismus wird ihre Familie wie alle Sinti und Roma als asozial und kriminell verfolgt. Die Mutter stirbt in Auschwitz. Wäre da nicht ihre Gabe, Buchela würde an diesem Leben verzweifeln. Doch ihre Vorhersage, dass Konrad Adenauer 1949 den Wahlsieg erringen wird, macht sie schlagartig berühmt. Madame Buchela wird zur Pythia von Bonn.

Zum Inhalt: Ende des 19. Jahrhunderts wird Margaretha S. unter einer Buche geboren. Das
zumindest behaupten die Eltern und deshalb geben sie ihr den Zigeunernamen Buchela. Die Buche, glauben sie, wird dem Mädchen Glück bringen. Bald hat Buchela jedoch Zweifel, ob sie tatsächlich so geboren wurde, wie es die Eltern beschrieben. Und das Glück, das ihr dieser Name bringen sollte, scheint verschwunden: Der Tod ihres Lieblingsbruders bringt sie ins Waisenhaus, den Vater verliert sie im 1. Weltkrieg, ein ersehntes Kind stirbt bei der Geburt. Schließlich spitzt sich die Lebenssituation der Sinti-Sippe während des Nationalsozialismus zu: Verfolgt und verschleppt als Asoziale oder Kriminelle werden Buchelas Mutter und die Hälfte ihrer Sippe in Auschwitz umgebracht. Selbst die Stieftochter, leibliches Kind ihres im Krieg gefallenen Mannes, entgleitet ihr durch Alkoholkonsum. Über all die Jahre ist ihr nur ihre Gabe geblieben, die schon die Mami, die Großmutter, besaß und die Buchela in der Nachkriegszeit schlagartig berühmt macht, als sie den Wahlsieg Konrad Adenauers 1949 voraussagt. Das Sehen und Sagen ist ihre Aufgabe - da ist Buchela sich sicher. Ihre Kundschaft kommt aus den besten Kreisen: Politiker, Schauspieler, Adlige, aber auch einfache Menschen, die stundenlang warten, bis sie zu ihr vorgelassen werden. Der Rundfunk bittet um Interviews, die Zeitungen fragen nach ihren Prognosen für das neue Jahr. Ihre Arbeit als Wahrsagerin bleibt jedoch nicht unangefochten. Durch ein verdeckt arbeitendes Filmteam der DDR wird sie der Lächerlichkeit preisgegeben. Im entstandenen Dokumentarfilm wird die „Bundeswahrsagerin" als Scharlatan und die westdeutsche Politik als mittelalterlich und auf Aberglauben fußend dargestellt. Die zunehmend verwirrte alte Frau wird gequält von Erinnerungen an die Toten in ihrem Leben. Da schickt ihr der glückliche Zufall eine Gadsche-Frau ins Haus, die es gut mit ihr zu meinen scheint. Regelmäßig besucht sie die alte Dame und nimmt sie schließlich zu einem Besuch mit in ihr eigenes Haus.
Von diesem Ausflug kehrt Buchela nicht mehr zurück....

Erzählt wird aus der Perspektive Buchelas in der Chronologie ihres Lebens (1899-1986)

Leseprobe


ISBN: 978-3-8196-0848-3