Heinrich Peuckmann | See des Schweigens

Heinrich Peuckmann
See des Schweigens
Kriminalroman

Lychatz Verlag, Leipzig 2012
ISBN 978-3-942929-13-4

Wenn am dunklen See Schüsse fallen

Von Rainer Wanzelius, Westfälische Rundschau, Kultur, 28.3.12

Still ruht der See. Als warte er auf diese beiden Schüsse. Auf den ersten, der trifft. Den zweiten, der tötet. Und schon hat der See keinen Besitzer mehr.

Seiler von der Wittenberger Kripo steht vor einem Rätsel. Keine Spur, das Dorf am See hüllt sich in Schweigen. Doch Seiler holt sich Hilfe. Dass es ausgerechnet Völkel ist, der Ex-Kommissar der Dortmunder Mordkommission, geht auf einen Vortrag zurück, den der einst an der Polizeischule in Bork gehalten hat, Thema Verhörtechnik. Und daran, dass der Autor dieses Buches, Heinrich Peuckmann, in Kamen lebt und arbeitet.

Es beginnt mit „einer gegen alle“, einer gegen das Kollektiv. Wulf Nölthing, Unternehmensberater aus dem Westen, hat das einst öffentliche Gewässer unweit der Lutherstadt in Privatbesitz umgewandelt, in seins. Die Anwohner dürfen nicht mehr baden, tauchen, Boot fahren. Einzig Nölthings Jacht dümpelt vorm Ufer.

Nach dem Mord sind es Völkel und Seiler, die in die „gegen-alle-Rolle“ geraten. Die Dörfler haben geschimpft, protestiert, sogar das Fernsehen war da. Jetzt steht die Dorfgemeinschaft unter Verdacht und wehrt sich durch Schweigen. Die Motive sind nicht von der Hand zu weisen. Aber Mord? Wirklich Mord?

Die schönsten Stellen dieses ruhig und nachdenklich erzählten Krimis sind die, wenn die Ermittler zu ahnen beginnen, was in den Menschen, den Ex-DDRlern, vorgeht. Was, wenn die Leute wissen, wer es war, stellvertretend für sie alle? Was, wenn sie – genau so ahnungslos wie die Polizei – sich gegenseitig verdächtigen, ohne etwas zu wissen, wie aus dem Verlauf einer Bürgerversammlung geschlossen werden könnte? Peuckmann verleiht da, psychologisch genau, seiner Handlung mitunter parabelhafte Züge.

Dann fällt wieder ein Schuss und die Tochter des Dorfwirts verschwindet. Neue Spuren weisen Völkel und Seiler auf neue Wege. Und natürlich ins Ziel.